Wort des Monats

Wort des Monats Mai: weise

bedeutet seiner herkunft nach ‚wissend‘, und zwar zunächst‚ wissend um eine sache, erfahren, kundig‘

Jakob und Wilhelm Grimm schreiben im Deutschen Wörterbuch (1955), Band 14, was es dazu noch heute zu sagen gibt:

Heute ist weise in verschiedene Bezirke auseinander gefallen, die sich gegenseitig ausschließen. Diese gegensätzlichen Spannungen geben dem heutigen Wort seine besondere Art. Sie lassen sich im Wesentlichen zurückführen auf das Auseinanderfallen von weise und wissend, von Leben und Lehre. Im Hintergrund stehen verwickelte Vorgänge im Geistesleben des Abendlandes: Die Loslösung der Wissenschaft vom Leben, die Trennung von Weisheit und Wissenschaft, die es möglich macht, dass der ‚philosoph‘, der Weise, nicht mehr weise im eigentlichen Sinne zu sein braucht, die Scheidung von weltlicher und göttlicher Weisheit (Bibel).

Weise ist, wer einer Sache gewiss wird, ist und Andere weise machen kann. Nicht, Anderen etwas weis- und also vorzumachen. Allerdings setzt dies im Wortkern, und so wir würden weise werden wollen im Leben, das Talent voraus, vermeintlich getrennte Dinge umfassend zu verbinden.