Wort des Monats
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Wort des Monats August: Blatt

Zwischen Blatt und Laub unterscheiden wir so, dass uns Blatt das einzelne, Laub die Masse der Blätter bezeichnet.

Das Blatt ist ein Wort, das uns in vielen Zusammensetzungen begegnet. Vom Herzblatt bis zum Schulter- und Türblatt. Für sich, nur als Blatt, genommen, spannen Goethe und Schiller zwei seiner Hauptbedeutungen auf:

„… fortgeschleudert, wie das Blatt vom Baume

verlier ich mich im grenzenlosen Raume …“

So bereut und ängstigt sich Beatrice in Schillers „Braut von Messina“, und meint den verlorenen Schutzraum, die völlige Vereinzelung, den Verlust des Vertrauten. Das einzelne Blatt wird zum Symbol des Herausgerissenseins.

„… nun wendet sich das Blatt, fängst wieder an zu lieben.“

So sinnt Alcest vor sich hin – bevor er entdeckt, dass sein Geld entwendet wurde und sofort seine Geliebte verdächtigt. In diesen Worten und dem Handlungsverlauf wendet sich das Blatt zweimal in sehr kurzer Zeit. … und weiter in Goethes „Die Mitschuldigen“ noch einige Male. Das einzelne Blatt wird das Symbol der Wendung, nach der die Dinge sich anders zeigen als zuvor.

Die völlige Vereinzelung und die völlige Kehrtwendung stecken in dem kleinen Wörtchen. Und oft genug steckt beides in uns Menschen.

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