Handeln

Stichwort: Vorlesen

Ich sage zu meinem Sohn: „Siehst du, das ist perfekt mit der Schule, bald kannst du alles selber lesen!“ Und mein Sohn antwortet mir: „Du sollst mir aber vorlesen!“ Zeit, um drüber nachzudenken, was es mit dem Vorlesen so für sich hat und außerdem gibt es ja auch den aktuellen Anlass …

Der aktuelle Anlass ist streitbar. Es handelt sich um die geplante Aktion der Stiftung Lesen zum diesjährigen Weltkindertag. Nun ja, es muss jeder selbst beurteilen, was sie/*/er davon halten möchte.

Eines wird jedenfalls deutlich: Das Vorlesen hat eine ganz andere Dimension als das (selbst) Lesen und als das Bücherverschenken. Es gibt eine ganze Reihe von gemeinnützigen Bemühungen, die das Lesen fördern. Es gibt auch eine ganze Reihe von gemeinnützigen Bestrebungen, Bücher unter die Leute zu bringen. Und es gibt die, die das Vorlesen fördern. Warum das extra?

Ich persönlich glaube, dass das Vorlesen etwas mit uns macht, was die beiden anderen Sachen nicht können: Vorlesen schafft ein Universum um mindestens zwei Menschen. Einen, der liest. Mindestens einen, der zuhört. Es ist also im Grunde eine Art zwischenmenschliche Beziehung. Keine zu einem Ding, wie dem Buch. Und zwischen diesen zweien oder mehreren bildet sich eine Welt, ein Raum voller Geheimnisse, voll Phantasie, voll Stimme und Stimmung, voll Halskratzen vielleicht auch und voll Aufmerksamkeit. Klingt nach ziemlich wertvoller Zeit, ziemlich selten auch. Denn Vorlesen geht halt nur, wenn auch zwei Leute mindestens Zeit haben – zum Lesen und zum Zuhören. Und dann auch noch live, sprich: nicht wiederholbar, nicht reproduzierbar im technischen Sinne – eine einmalige Zeit.

Deshalb ist es schön, dass Stiftungen sich des Themas annehmen: Und man kann sagen, was man will. Die Stiftung Lesen ist diejenige, welche auch tatsächlich richtig viel rund um dieses Thema macht, beispielsweise:

Aus aktuellem Anlass ist es schön zu wissen, dass die Stiftung Lesen noch weitaus mehr kann und tut, als die Sache mit Amazon. Ich wünsche ihr noch mehr von den guten Ideen und mir wünsche ich mehr Zeit zum Vorlesen, auch dann noch, wenn mein Sohn schon lesen kann!