Autor: Hanno Brahms

Stichwort: Grünflächen

Es ist naheliegend im Frühling das Stichwort „Grünflächen“ zu wählen, wenn ich nur aus dem Fenster schaue. Das frische Grün des Ahornbaums entfaltet sich gerade und jeden Tag werden die Blätter dichter und dichter, bis die graue Straße nicht mehr zu sehen ist.  Einige setzten sich deshalb mit dem Thema „Grünflächen“ auseinander mit ihren Projekten, um diese zu erhalten, neu zu schaffen oder zu fördern.  Drei möchte ich kurz vorstellen. Die Stiftung DIE GRÜNE STADT fördert durch Wissenschaft, Forschung und bürgerliches Engagements, die Grünflächen von Städten und Gemeinden aber auch Privatleuten. Sie will das Bewusstsein dafür schärfen, welche politische und gesellschaftliche Bedeutung Grünflächen haben. Die „Bäume für Nürnberg Stiftung“ möchte langfristig dazu betragen mehr Grün im Stadtgebiet anzupflanzen, besonders durch Neupflanzungen von Straßenbäumen und langfristige Sicherung des Bestands. Außerdem interessant: Die Urbane Nachbarschaft Freiimfelde, in Halle an der Saale, entstanden in Kooperation der Montag Stiftung Urbane Räume. Auf einer Brache von ca. 6000 m² soll ein offener Bürgerpark entstehen mit Urban Gardening, Abenteuerspielplatz und Gastronomie. Danke für das Frühlingserwachen, und bitte gern mehr davon.

Wort des Monats April: fehlen

zwei hauptbedeutungen, des irrens und mangelns Die zweite der zwei Hauptbedeutungen ist uns geläufig. Die erste ist die vielschichtige. Das Grimmsche Wörterbuch sagt auch gleich, warum das so ist: zwei hauptbedeutungen, des irrens und mangelns, deren zweite sich doch aus der ersten leitet, weil der irrende, fehlschlagende bedürftig wird und mangel empfindet. Es geht hier nicht um den kleinen Irrtum, der sich mit einem Schulterzucken abtun lässt. Etwa wenn man sich eben in der Uhrzeit geirrt hat. Gemeint sind die großen Irrtümer, das Misslingen, das völlige Verfehlen. Ein Hauch davon ist uns noch in der mitleidenden Frage geblieben: Was fehlt dir? Doch dieser Hauch weht über die Tiefe des Mangels nur warm hinweg. Ernsthaft: Was sollen Menschen auf so ein Frage antworten, wenn es ihnen an Hoffnung, Moral, Zuversicht, Vertrauen, Geboten fehlt? Also schlichtweg an dem, was Menschen brauchen, um ihr Leben so in die Hand zu nehmen, dass sie nicht fehl gehen? Zumal in einer Welt, in der es an Dingen nicht fehlt, aber an Trittsicherheit umso mehr. Da fehlt dann die Sprache, um …

Stichwort: Quote

Gut, als Quote bezeichnet man einen Anteil einer Gesamtmenge. Das verstehe ich auf Anhieb. Aber inhaltlich verstehe ich manche Quoten nicht. Deshalb ist dieses Stichwort „Quote“ sehr interessant, um einen genaueren Blick darauf zu werfen.  Im Politischen soll die Quote meist einer – in welcher Form auch immer – diskriminierte, nicht ausreichend repräsentierte Gruppe zu mehr Präsenz verhelfen. Bekanntes Beispiel dafür ist die Frauenquote. Aber es gibt viel mehr Quoten, die gesetzt oder berechnet werden. Und alle Quoten haben auch einen streitbaren Hintergrund, warum sie ins Leben gerufen werden. So wird beispielsweise diskutiert, ob die Frauenquote für die Führungsetagen Sinn macht. Frauen in Führungspositionen – können sie das? wollen sie das? macht es Sinn da eine Quote festzulegen? Oder die jetzige Diskussion über eine Ostquote bei der Besetzung von Stellen in den Neuen Bundesländern. Laut einer Umfrage hält jeder zweite Ostdeutsche dies für gut und jeder vierte im Westen. Wozu das Ganze? Folgende Gründe kann ich verstehen: Dass man durch eine Quote einen Ausgleich schaffen kann. Keine Frage. Aber stellt man damit nicht auch sich …

Wort des Monats Februar: Traufe

das niedertröpfeln; der tropfen; der ort des tropfenfalles, das traufrecht Die Bedeutungen des Wortes Traufe hintereinander weg gelesen ergeben einen vollständigen Wasserkreislauf mit Hausrecht. Das Wasser tröpfelt, der Tropfen fällt an der Dachkante hinunter und der Raum, den er dazu benötigt, darf nicht zugebaut werden. Die Traufe ist wie ein unsichtbares Dazwischen: Sie ist nicht Regen, aber sie entsteht durch den Regen und besteht so wie er aus Tropfen. Sie ist nicht Wetterschutz. Denn „vom Regen in die Traufe“ meint vom lockeren Schauer in den Fluss der Tropfen, die sich an der Dachkante verdichten. Und doch ist sie nah daran, Schutz zu sein, denn sie markiert den Beginn des Grundstückseigentums. Sie ist nicht das Grundstück selbst, aber sie ist doch der Ort des Tropfenfalls, der eine nachbarschaftliche Distanz mitbestimmt. Die Traufe selbst ist ein Zwischenwort, ein Zwischenton, ein Zwischenraum. Worte wie sie verdichten unsere Sprache – wie Regen sich an einer Dachkante verdichtet und herabfallend einen eigenen Raum erschafft.

Höchste Zeit, nett zu sein!

Jetzt ist schon einige Zeit vergangen seit ich am Forum Stiftungskommunikation in Berlin teilnahm. Unter dem Thema „Höchste Zeit, nett zu sein!“– Warum der achtsame Umgang mit uns selbst und anderen lohnt“ wurde diskutiert, Gedanken ausgetauscht und Workshops gehalten.  Wie teile ich was mit? Habe ich die Informationen unter Kontrolle? Wie reagiere ich auf Hass oder Provokation? Diese und viele andere Themen wurden angesprochen und mit den Teilnehmenden aus verschiedenen Stiftungen war es ein interessanter Erfahrungsaustausch für mich.  Mir als Kommunikationsdesigner ist „achtsames Kommunizieren“ nicht immer so bewusst gewesen. Oft werden die Botschaften gerade in der klassischen Werbung nur so laut wie möglich nach Außen geschrien und das geht im Umfeld der Stiftungen natürlich nicht. Um so wichtiger war der Einblick in die unterschiedlichen Denkwesen und Meinungen der Stiftungen, wie sie mit ihren Informationen umgehen, sehr interessant für mich. Aus dem Forum Stiftungskommunikation nehme ich für unsere verantwortungsvolle Arbeit vor allem mit: Informationen, die wir kommunizieren, nochmals zu Hinterfragen und deren Bedeutung und mögliche Auswirkungen nicht aus den Augen zu verlieren.  Ich freue mich auf …

Wort des Monats Januar: Wandlung

verkehr, gang, lebensführung, veränderung, rückgängigmachung usw. Die Wandlung geht zurück auf das Verb wandeln. Die ganz ursprüngliche, einfache Bedeutung meint das Hin- und Hergehen. Der Schritt als äußerer Ausdruck des inneren Vorgangs: auf etwas zugehen oder von etwas weggehen, sich abwenden oder zuwenden. Die Wandlung in ihrer tiefsten, komplexesten Bedeutung umfasst in Entsprechung die größte Wandlung, die ein Mensch nehmen kann: die Religiöse. Gemessen an allen weiteren Bedeutungen zwischen der äußeren und der inneren Wandlung, wird deutlich wie sehr das Hin- und Hergehen immer Teil des Lebens bleibt. Im „verkehr“, das heißt dem Umgang zwischen Menschen und dem Umgang zwischen Mensch und Gott erfolgt immer wieder eine Wandlung, auch ein Justieren. Ebenso in der Lebensführung, in der menschlichen Fähigkeit, nicht nur äußere Umstände, sondern auch sich selbst zu verändern: etwas rückgängig machen, von vorn anfangen oder weiter gehen. Das neue Jahr beginnt mit einer Wandlung. Weil jedes neue Jahr die Menschen mit der Hoffnung erfüllt, dass Veränderung möglich ist. Und weil Veränderung andauernd ist und sein kann, geht die Wandlung noch viel weiter, dauert an, …