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Wort des Monats Februar: Traufe

das niedertröpfeln; der tropfen; der ort des tropfenfalles, das traufrecht

Die Bedeutungen des Wortes Traufe hintereinander weg gelesen ergeben einen vollständigen Wasserkreislauf mit Hausrecht. Das Wasser tröpfelt, der Tropfen fällt an der Dachkante hinunter und der Raum, den er dazu benötigt, darf nicht zugebaut werden. Die Traufe ist wie ein unsichtbares Dazwischen: Sie ist nicht Regen, aber sie entsteht durch den Regen und besteht so wie er aus Tropfen. Sie ist nicht Wetterschutz. Denn „vom Regen in die Traufe“ meint vom lockeren Schauer in den Fluss der Tropfen, die sich an der Dachkante verdichten. Und doch ist sie nah daran, Schutz zu sein, denn sie markiert den Beginn des Grundstückseigentums. Sie ist nicht das Grundstück selbst, aber sie ist doch der Ort des Tropfenfalls, der eine nachbarschaftliche Distanz mitbestimmt. Die Traufe selbst ist ein Zwischenwort, ein Zwischenton, ein Zwischenraum. Worte wie sie verdichten unsere Sprache – wie Regen sich an einer Dachkante verdichtet und herabfallend einen eigenen Raum erschafft.

Höchste Zeit, nett zu sein!

Jetzt ist schon einige Zeit vergangen seit ich am Forum Stiftungskommunikation in Berlin teilnahm. Unter dem Thema „Höchste Zeit, nett zu sein!“– Warum der achtsame Umgang mit uns selbst und anderen lohnt“ wurde diskutiert, Gedanken ausgetauscht und Workshops gehalten. 

Wie teile ich was mit? Habe ich die Informationen unter Kontrolle? Wie reagiere ich auf Hass oder Provokation? Diese und viele andere Themen wurden angesprochen und mit den Teilnehmenden aus verschiedenen Stiftungen war es ein interessanter Erfahrungsaustausch für mich. 

Mir als Kommunikationsdesigner ist „achtsames Kommunizieren“ nicht immer so bewusst gewesen. Oft werden die Botschaften gerade in der klassischen Werbung nur so laut wie möglich nach Außen geschrien und das geht im Umfeld der Stiftungen natürlich nicht. Um so wichtiger war der Einblick in die unterschiedlichen Denkwesen und Meinungen der Stiftungen, wie sie mit ihren Informationen umgehen, sehr interessant für mich.

Aus dem Forum Stiftungskommunikation nehme ich für unsere verantwortungsvolle Arbeit vor allem mit: Informationen, die wir kommunizieren, nochmals zu Hinterfragen und deren Bedeutung und mögliche Auswirkungen nicht aus den Augen zu verlieren. 

Ich freue mich auf das nächste Forum in Berlin und noch ein Tipp für den alltäglichen Mailverkehr: Bevor sie „Senden“ drücken, gehen Sie nochmal kurz in sich. Ich bin kein Freund von Esoterik oder Innehalten mit Klangschalen und so – aber kurzes Reflektieren herzlich gern. 

Wort des Monats Januar: Wandlung

verkehr, gang, lebensführung, veränderung, rückgängigmachung usw.

Die Wandlung geht zurück auf das Verb wandeln. Die ganz ursprüngliche, einfache Bedeutung meint das Hin- und Hergehen. Der Schritt als äußerer Ausdruck des inneren Vorgangs: auf etwas zugehen oder von etwas weggehen, sich abwenden oder zuwenden. Die Wandlung in ihrer tiefsten, komplexesten Bedeutung umfasst in Entsprechung die größte Wandlung, die ein Mensch nehmen kann: die Religiöse. Gemessen an allen weiteren Bedeutungen zwischen der äußeren und der inneren Wandlung, wird deutlich wie sehr das Hin- und Hergehen immer Teil des Lebens bleibt. Im „verkehr“, das heißt dem Umgang zwischen Menschen und dem Umgang zwischen Mensch und Gott erfolgt immer wieder eine Wandlung, auch ein Justieren. Ebenso in der Lebensführung, in der menschlichen Fähigkeit, nicht nur äußere Umstände, sondern auch sich selbst zu verändern: etwas rückgängig machen, von vorn anfangen oder weiter gehen. Das neue Jahr beginnt mit einer Wandlung. Weil jedes neue Jahr die Menschen mit der Hoffnung erfüllt, dass Veränderung möglich ist. Und weil Veränderung andauernd ist und sein kann, geht die Wandlung noch viel weiter, dauert an, jeden Tag, 12 Monate, jedes Jahr wieder.

Wort des Monats Dezember: Ausgang

das haus hat nur einen Ausgang

Nimmt man das Jahr – die Zeit überhaupt, wie früher – persönlich, so geht es selbst fort. Es ist sein Ausgang als Weggang. Stellt man es sich hingegen wie ein Haus vor, das wir in den letzten zwölf Monaten bewohnten, so lässt es uns nun zu seinem einzigen Ausgang hinaus. Beides ist der Ausgang, ein kleines Wort von großem Raum. Der Ausgang reicht von der Tür nach draußen bis zum schicksalhaften Ende. Und diese Bedeutungsbreite wirft uns zum Eingang zurück. Denn der Ausgang einer Sache ist der Eingang einer Neuen. Und selbst da, wo eine Sache „nur einen Ausgang“ hat, stellt sich die Frage, wie wir ihn nehmen, den einen Ausgang – als Tür nach draußen oder als schicksalhaftes Ende.

Stichwort: Erzählen

Große Headlines und kleine Geschichten, Storytelling und Märchenstunde, Geheimnisse und Gerüchte – wir erzählen andauernd. Und wir versuchen andauernd Zuhörer zu finden. Gibt es Stiftungen, die sich für die zentrale Kulturtechnik des Erzählens einsetzen? Wir stellen einige vor. Weiterlesen

Wort des Monats November: Behagen

dies schöne, wollautige wort scheint in unserer sprache nie allgemein durchgedrungen

Auch wenn dies Wort immer ein wenig fremd geblieben ist, einer seiner Ursprünge ist uns recht alltäglich: der Hag. Wir nennen ihn nur nicht so. Der Hag ist für uns heute ganz prosaisch das Grundstück, der Garten, der Besitz und ähnliches. Alles das, was wir einzäunen oder mit Hecken umgeben. Das Behagen erinnert uns daran, dass jeder von uns selbst ein Hag ist. Etwas, das gepflegt, umhegt, umgrenzt sein will. Nicht nur, aber auch um des Behagens willen. Denn dies, die Zufriedenheit, Freude, das frohe Gefühl, die stille innige Kraft – alles das bedeutet das Behagen – geht uns ja doch oft genug verloren in einer lauten, unruhigen Welt. Wahrscheinlich weil der Hag uns fehlt, die Umfriedung, die Grenze zur Unruhe. Zeit also, sich an „dies schöne wollautige wort“ zu erinnern und selbst Hag zu sein.