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Stichwort: Grünflächen

Es ist naheliegend im Frühling das Stichwort „Grünflächen“ zu wählen, wenn ich nur aus dem Fenster schaue. Das frische Grün des Ahornbaums entfaltet sich gerade und jeden Tag werden die Blätter dichter und dichter, bis die graue Straße nicht mehr zu sehen ist. 

Einige setzten sich deshalb mit dem Thema „Grünflächen“ auseinander mit ihren Projekten, um diese zu erhalten, neu zu schaffen oder zu fördern. 

Drei möchte ich kurz vorstellen.

Die Stiftung DIE GRÜNE STADT fördert durch Wissenschaft, Forschung und bürgerliches Engagements, die Grünflächen von Städten und Gemeinden aber auch Privatleuten. Sie will das Bewusstsein dafür schärfen, welche politische und gesellschaftliche Bedeutung Grünflächen haben.

Die „Bäume für Nürnberg Stiftung“ möchte langfristig dazu betragen mehr Grün im Stadtgebiet anzupflanzen, besonders durch Neupflanzungen von Straßenbäumen und langfristige Sicherung des Bestands.

Außerdem interessant: Die Urbane Nachbarschaft Freiimfelde, in Halle an der Saale, entstanden in Kooperation der Montag Stiftung Urbane Räume. Auf einer Brache von ca. 6000 m² soll ein offener Bürgerpark entstehen mit Urban Gardening, Abenteuerspielplatz und Gastronomie.

Danke für das Frühlingserwachen, und bitte gern mehr davon.

Wort des Monats April: fehlen

zwei hauptbedeutungen, des irrens und mangelns

Die zweite der zwei Hauptbedeutungen ist uns geläufig. Die erste ist die vielschichtige. Das Grimmsche Wörterbuch sagt auch gleich, warum das so ist: zwei hauptbedeutungen, des irrens und mangelns, deren zweite sich doch aus der ersten leitet, weil der irrende, fehlschlagende bedürftig wird und mangel empfindet. Es geht hier nicht um den kleinen Irrtum, der sich mit einem Schulterzucken abtun lässt. Etwa wenn man sich eben in der Uhrzeit geirrt hat. Gemeint sind die großen Irrtümer, das Misslingen, das völlige Verfehlen. Ein Hauch davon ist uns noch in der mitleidenden Frage geblieben: Was fehlt dir? Doch dieser Hauch weht über die Tiefe des Mangels nur warm hinweg. Ernsthaft: Was sollen Menschen auf so ein Frage antworten, wenn es ihnen an Hoffnung, Moral, Zuversicht, Vertrauen, Geboten fehlt? Also schlichtweg an dem, was Menschen brauchen, um ihr Leben so in die Hand zu nehmen, dass sie nicht fehl gehen? Zumal in einer Welt, in der es an Dingen nicht fehlt, aber an Trittsicherheit umso mehr. Da fehlt dann die Sprache, um die nicht greifbaren, aber umso schmerzlicher empfundenen Mängel zu benennen. Ausgerechnet das Wort „fehlen“ offenbart unseren Mangel und weist uns den Weg, zurück in diese Sprache.

Stichwort: Quote

Gut, als Quote bezeichnet man einen Anteil einer Gesamtmenge. Das verstehe ich auf Anhieb. Aber inhaltlich verstehe ich manche Quoten nicht. Deshalb ist dieses Stichwort „Quote“ sehr interessant, um einen genaueren Blick darauf zu werfen. 

Im Politischen soll die Quote meist einer – in welcher Form auch immer – diskriminierte, nicht ausreichend repräsentierte Gruppe zu mehr Präsenz verhelfen. Bekanntes Beispiel dafür ist die Frauenquote. Aber es gibt viel mehr Quoten, die gesetzt oder berechnet werden. Und alle Quoten haben auch einen streitbaren Hintergrund, warum sie ins Leben gerufen werden. So wird beispielsweise diskutiert, ob die Frauenquote für die Führungsetagen Sinn macht. Frauen in Führungspositionen – können sie das? wollen sie das? macht es Sinn da eine Quote festzulegen? Oder die jetzige Diskussion über eine Ostquote bei der Besetzung von Stellen in den Neuen Bundesländern. Laut einer Umfrage hält jeder zweite Ostdeutsche dies für gut und jeder vierte im Westen. Wozu das Ganze? Folgende Gründe kann ich verstehen: Dass man durch eine Quote einen Ausgleich schaffen kann. Keine Frage. Aber stellt man damit nicht auch sich selbst in Frage? Und ist die Quote da einfach nur ein Mittel, um es sich leicht zumachen? Oder werden da sogar Kompetenzen in Frage gestellt? Die Kompetenz Stellen richtig zu besetzen und die Kompetenz, Bewerbungen vorurteilsfrei zu bewerten – zum Beispiel? Brauchen wir Quoten, um uns durchzusetzen? Und weil wir uns nicht anders zu helfen wissen? Das frage mich, und ich habe keine Antwort darauf. 

Meine Tendenz ist: eine Quote sollte ein Prozess sein, mehr Weg und weniger Setzung … Denn, wenn zu viel reglementiert wird, kann sich auch nichts entwickeln. Es erstarrt in den Regeln. Dann können Quoten, die fördern sollen auch limitierend wirken. So bremsen wir womöglich Entwicklungsprozesse aus, die wir eigentlich fördern wollen, oder nicht?

Quelle: Artikel der FAZ, Jeder Zweite im Osten für Ostquote, 17.03.2019
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/f-a-z-exklusiv-jeder-zweite-im-osten-fuer-ostquote-16094115.html

Wie gehen wir mit der Würde des Menschen um? – zum Stiftungskaffee im Haus der Braunschweigischen Stiftungen

Heute um 10:00 lud das Haus der Braunschweigischen Stiftungen zum Stiftungskaffee ein. Der Plan: Lockerer Austausch unter Interessierten mit Impulsen von Prof. Dr. Göring, ZEIT-Stiftung und Tobias Henkel, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Die Ausführung: hier zu lesen.

Zunächst einmal die Zahlen: 90 Minuten, 2 Gedichte, 2 Impulsgeber, 20-30 Teilnehmende aus unterschiedlichsten Berufsfeldern. Was sich nicht in Zahlen fassen lässt: die Anregungen. Den Anfang machte Prof. Dr. Göring mit folgenden Fragen:

Wie gut ist die Sichtbarkeit von Stiftungen und wie klar, das heißt erfassbar, ist ihr Profil?

Wie steht es um die Ertragssituation, gerade der kleineren Stiftungen und stellen Kooperationen, bzw. Netzwerke, eine Lösung dar, die nachhaltige Wirksamkeit von Stiftungen zu verstärken?

Wie gehen wir (die Stiftungen als unverzichtbarer Bestandteil einer sich als demokratisch verstehenden Gesellschaft) mit der Würde des Menschen um? Das umfasst beispielhaft Themen wie Integration, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Qualitätsjournalismus als vierte Gewalt, künstliche Intelligenz als Ablösung für menschliche Arbeit, …?

Wie steht es um den Plattformgedanken von Stiftungen? Ist der noch zeitgemäß und was ist mit dem Gedanken der „Advocacy“, Advokatentum als Sprachrohr der Gemeinnützigkeit?

Prof. Dr. Göring und Tobias Henkel

Das Publikum war nicht „nur“ Publikum, sondern mehr Plenum und somit aktiv. Die ganze Diskussion lässt sich natürlich nicht wieder geben, die Atmosphäre schon gar nicht und auch den wundervollen Ort des Hauses der Braunschweigischen Stiftungen muss man schon selbst besuchen. Aber einige große Gedankenlinien lassen sich zusammenfassen:

MEHR MUT. Stiftungen brauchen Mut, sich zu ihrem Einsatz (und satzungsgebunden zu manchen Einsatzzwecken in rechtlich einwandfreier Form) zu bekennen.

MEHR GESPRÄCH. Stiftungen sind zu oft nur im Hintergrund tätig. Nur wenige wissen, was sie tun und diese wenigen sind oftmals nicht einmal die, die es wünschenswerterweise wissen sollten. Das Reden – in jedweder Form sei es im direkten Zwiegespräch, sei es zu Besuchen in lokalen Institutionen v. a. Schulen und Universitäten, sei es in verschiedenen Formen des Von-sich-reden-machens – ist im Fall von Stiftungen gold.

MEHR INHALT. Erlauben wir uns einmal, die Sphären der vernünftigen Erklärwelt zu verlassen und denken daran, was man für Heldenepen schildern könnte … Stiftungen machen jeden Tag Helden und Heldengeschichten möglich. Aber sie werden noch nicht erzählt. Das sollten wir tun! Schließlich geht es um die Würde des Menschen.

Wort des Monats März: Erde

eines so durchgreifenden, altverjährten wortes ursprung verliert sich im dunkel

Erde – eines der ganz wenigen Worte, die einen unvermittelt wissen lassen, dass auf sie kein Verzicht ist. Bei aller Modernität zwischen Beton, Plastik und Metall. Bei aller Hygiene, Desinfektion und Impfung. Statt „Anfang und Ende“ ließe sich auch sagen „Anfang und Erde“. Das Wort, dessen Urpsrung sich im eigenen Erdendunkel verliert, nutzen wir für alle unsere Daseinsbestimmungen. Da ist die Erde als kreisender Planet. Unser endlicher Ort im endlosen All. Da ist die Erde als Gegenstück zum Himmel, das Erdreich in Gegenüberstellung zum Himmelreich. Unser Ort als gezählte Zeit. Da ist die Erde als Grund und Boden, auf den wir treten. Unser Ort zum Geradestehen. Da ist die Erde als Ausdehnung, in ihrer ganzen Größe. Unser Ort der Einsamkeit. Da ist die Erde als Festland im Gegensatz zum Wasser. Unser Ort zum Festhalten. Da ist die Erde als Ackerland, das bearbeitet wird. Unser Ort der Ernte. Da ist die Erde als Staub, zu dem wir werden. Unser Ort als Element. Wir sind ihm gleich. Die Erde gehört nicht uns, wir gehören ihr.

Stichwort: Ruhe

Das neue Jahr hat begonnen. Wie voll sind die Terminkalender jetzt schon? Da unsere schon ziemlich voll sind, haben wir uns gefragt, wie eigentlich Ruhe zustande kommt und wie sie gestiftet wird. Bei der Recherche sind wir auf ein besonderes Projekt gestoßen, das uns im wortwörtlichen Sinn aufhorchen ließ.

Ruhe und Stress haben beide etwas mit den Ohren zu tun. Nicht umsonst gibt es den Tinnitus … und weitgehende Forschungsprojekte dazu. Der Weg vom Stress zum klopfenden Herzen ist nicht weit. Und so finden sich enorm viele Stiftungen in diesem Themenfeld, deren Anliegen die Herzgesundheit ist. Aber was ist mit den ganz Kleinen, die Stress eigentlich noch gar nicht kennen sollten? Die noch keine Verhaltensmuster damit gelernt haben? Die schon mit schwächeren Herzen in eine stressige Welt geboren wurden?

Die Paul-Nikolai-Ehlers-Stiftung unterstützt diese kleinen Menschen: mit Musiktherapie. Harmonie gegen das geschäftige Piepen und Brummen der Apparate im Krankenhaus, warme Töne gegen die oftmals mit Krankenhausaufenthalten einhergehende Einsamkeit und Kühle.

Und die größeren Menschen, wie wir, können das Gleiche für sich selbst tun: zwischen dem einen oder anderen Termin eine Musik hören, Zwischenton für Zwischenton, ganz in Ruhe.

Wort des Monats Februar: Traufe

das niedertröpfeln; der tropfen; der ort des tropfenfalles, das traufrecht

Die Bedeutungen des Wortes Traufe hintereinander weg gelesen ergeben einen vollständigen Wasserkreislauf mit Hausrecht. Das Wasser tröpfelt, der Tropfen fällt an der Dachkante hinunter und der Raum, den er dazu benötigt, darf nicht zugebaut werden. Die Traufe ist wie ein unsichtbares Dazwischen: Sie ist nicht Regen, aber sie entsteht durch den Regen und besteht so wie er aus Tropfen. Sie ist nicht Wetterschutz. Denn „vom Regen in die Traufe“ meint vom lockeren Schauer in den Fluss der Tropfen, die sich an der Dachkante verdichten. Und doch ist sie nah daran, Schutz zu sein, denn sie markiert den Beginn des Grundstückseigentums. Sie ist nicht das Grundstück selbst, aber sie ist doch der Ort des Tropfenfalls, der eine nachbarschaftliche Distanz mitbestimmt. Die Traufe selbst ist ein Zwischenwort, ein Zwischenton, ein Zwischenraum. Worte wie sie verdichten unsere Sprache – wie Regen sich an einer Dachkante verdichtet und herabfallend einen eigenen Raum erschafft.

Höchste Zeit, nett zu sein!

Jetzt ist schon einige Zeit vergangen seit ich am Forum Stiftungskommunikation in Berlin teilnahm. Unter dem Thema „Höchste Zeit, nett zu sein!“– Warum der achtsame Umgang mit uns selbst und anderen lohnt“ wurde diskutiert, Gedanken ausgetauscht und Workshops gehalten. 

Wie teile ich was mit? Habe ich die Informationen unter Kontrolle? Wie reagiere ich auf Hass oder Provokation? Diese und viele andere Themen wurden angesprochen und mit den Teilnehmenden aus verschiedenen Stiftungen war es ein interessanter Erfahrungsaustausch für mich. 

Mir als Kommunikationsdesigner ist „achtsames Kommunizieren“ nicht immer so bewusst gewesen. Oft werden die Botschaften gerade in der klassischen Werbung nur so laut wie möglich nach Außen geschrien und das geht im Umfeld der Stiftungen natürlich nicht. Um so wichtiger war der Einblick in die unterschiedlichen Denkwesen und Meinungen der Stiftungen, wie sie mit ihren Informationen umgehen, sehr interessant für mich.

Aus dem Forum Stiftungskommunikation nehme ich für unsere verantwortungsvolle Arbeit vor allem mit: Informationen, die wir kommunizieren, nochmals zu Hinterfragen und deren Bedeutung und mögliche Auswirkungen nicht aus den Augen zu verlieren. 

Ich freue mich auf das nächste Forum in Berlin und noch ein Tipp für den alltäglichen Mailverkehr: Bevor sie „Senden“ drücken, gehen Sie nochmal kurz in sich. Ich bin kein Freund von Esoterik oder Innehalten mit Klangschalen und so – aber kurzes Reflektieren herzlich gern.