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Stichwort: Vorlesen

Ich sage zu meinem Sohn: „Siehst du, das ist perfekt mit der Schule, bald kannst du alles selber lesen!“ Und mein Sohn antwortet mir: „Du sollst mir aber vorlesen!“ Zeit, um drüber nachzudenken, was es mit dem Vorlesen so für sich hat und außerdem gibt es ja auch den aktuellen Anlass …

Der aktuelle Anlass ist streitbar. Es handelt sich um die geplante Aktion der Stiftung Lesen zum diesjährigen Weltkindertag. Nun ja, es muss jeder selbst beurteilen, was sie/*/er davon halten möchte.

Eines wird jedenfalls deutlich: Das Vorlesen hat eine ganz andere Dimension als das (selbst) Lesen und als das Bücherverschenken. Es gibt eine ganze Reihe von gemeinnützigen Bemühungen, die das Lesen fördern. Es gibt auch eine ganze Reihe von gemeinnützigen Bestrebungen, Bücher unter die Leute zu bringen. Und es gibt die, die das Vorlesen fördern. Warum das extra?

Ich persönlich glaube, dass das Vorlesen etwas mit uns macht, was die beiden anderen Sachen nicht können: Vorlesen schafft ein Universum um mindestens zwei Menschen. Einen, der liest. Mindestens einen, der zuhört. Es ist also im Grunde eine Art zwischenmenschliche Beziehung. Keine zu einem Ding, wie dem Buch. Und zwischen diesen zweien oder mehreren bildet sich eine Welt, ein Raum voller Geheimnisse, voll Phantasie, voll Stimme und Stimmung, voll Halskratzen vielleicht auch und voll Aufmerksamkeit. Klingt nach ziemlich wertvoller Zeit, ziemlich selten auch. Denn Vorlesen geht halt nur, wenn auch zwei Leute mindestens Zeit haben – zum Lesen und zum Zuhören. Und dann auch noch live, sprich: nicht wiederholbar, nicht reproduzierbar im technischen Sinne – eine einmalige Zeit.

Deshalb ist es schön, dass Stiftungen sich des Themas annehmen: Und man kann sagen, was man will. Die Stiftung Lesen ist diejenige, welche auch tatsächlich richtig viel rund um dieses Thema macht, beispielsweise:

Aus aktuellem Anlass ist es schön zu wissen, dass die Stiftung Lesen noch weitaus mehr kann und tut, als die Sache mit Amazon. Ich wünsche ihr noch mehr von den guten Ideen und mir wünsche ich mehr Zeit zum Vorlesen, auch dann noch, wenn mein Sohn schon lesen kann!

Wort des Monats August: Blatt

Zwischen Blatt und Laub unterscheiden wir so, dass uns Blatt das einzelne, Laub die Masse der Blätter bezeichnet.

Das Blatt ist ein Wort, das uns in vielen Zusammensetzungen begegnet. Vom Herzblatt bis zum Schulter- und Türblatt. Für sich, nur als Blatt, genommen, spannen Goethe und Schiller zwei seiner Hauptbedeutungen auf:

„… fortgeschleudert, wie das Blatt vom Baume

verlier ich mich im grenzenlosen Raume …“

So bereut und ängstigt sich Beatrice in Schillers „Braut von Messina“, und meint den verlorenen Schutzraum, die völlige Vereinzelung, den Verlust des Vertrauten. Das einzelne Blatt wird zum Symbol des Herausgerissenseins.

„… nun wendet sich das Blatt, fängst wieder an zu lieben.“

So sinnt Alcest vor sich hin – bevor er entdeckt, dass sein Geld entwendet wurde und sofort seine Geliebte verdächtigt. In diesen Worten und dem Handlungsverlauf wendet sich das Blatt zweimal in sehr kurzer Zeit. … und weiter in Goethes „Die Mitschuldigen“ noch einige Male. Das einzelne Blatt wird das Symbol der Wendung, nach der die Dinge sich anders zeigen als zuvor.

Die völlige Vereinzelung und die völlige Kehrtwendung stecken in dem kleinen Wörtchen. Und oft genug steckt beides in uns Menschen.

Wort des Monats Juni: Schaum

träume sind schäume

Schaum entsteht aus Bewegung. Wie die salzige Gischt auf den Wellen, der süße Schaum auf dem Wein, der schweißige Schaum vor dem Maul der Pferde. Er ist ein weiches, blasiges, zartes, immer oben schwimmendes und dabei vergängliches Gebilde. So vergänglich wie es die Redewendung sagt: Träume sind Schäume. Woher kommt die Übertragung? Die Metapher vom Schaum gehört in den Bereich der Vergänglichkeit und der Nichtigkeit alles Irdischen, seines Leides und seiner Lust (Grimmsches Wörterbuch). Da ist der Schaum der Sterblichkeit, die Wertlosigkeit mancher Lebenszeit. Da ist auch die Freude und das Glück, perlender Schaum an der Oberfläche der stürmischen Lebensfluten. Der Traum, wesenloses Schattenbild ohne Leben und Erfüllung, ist reinster Schaum. Denn der Traum entsteht aus den vergänglichen Regungen der Menschen. Sie und ihr bewegtes Leben werden Schaum, der Traum ist immer schon Schaum. Aus Schaum gemacht, von Anfang an auf der Oberfläche der Lebenswellen schwimmend, ohne Tiefgang. Vergänglich, und doch immer wieder neu aufschäumend. Immer wieder neu geträumt von uns Menschen.

StiftungsTag in Mannheim #DST2019

Erst Osnabrück, dann Nürnberg, jetzt Mannheim, unser dritter StiftungsTag unter dem Motto „Unsere Demokratie“. 

Ein klares Wort vorab von meiner Seite. Als Demokrat und in Deutschland, in Europa lebender Mensch , sind die demokratischen Normen, Werte, das Wissen und vielfältige gesellschaftliche Zusammenleben, für mich existentiell und in keiner Form verhandelbar. 

Daher war der StiftungsTag in Mannheim eine wahre Bereicherung. Wir alle sind gefordert für unsere Demokratie einzustehen, damit das freie gesellschaftliche Miteinander funktioniert und nicht abdriftet.

Der StiftungsTag bot viele Möglichkeiten sich über die aktuellen Entwicklungen zu informieren, mitzureden, zu diskutieren, sich auszutauschen und interessante Menschen kennenzulernen. Ein perfekter Baustein für Stiftungen, die sich von jeher für die Vielfalt in der Gesellschaft einsetzen. Wir sind gerne mit unserer Arbeit ein Teil davon und Kommunikation ist gewissermaßen auch Demokratiearbeit. 

Und jetzt noch ein Begegnung in Mannheim. 

Da ist man den ganzen Tag auf dem Kongress, mit lauter intellektuellen Menschen, aber auf dem Weg zum Hotel in Mannheim kam ich in das reale Leben zurück. Ein Spielplatz voll mit Kindern (23 Uhr) ein Kiosk der mir Tabak verkaufte, der Verkäufer vielleicht zehn Jahre alt und die Kioskbesitzerin, die auf der Straße davor auf ihre 2 jährige Enkeltochter aufpasste … Wir kamen ins Gespräch über Bulgarien, Deutschland, Mann LKW-Fahrer, sie hier, mit 4 Kindern, und deren Kindern, ich dagegen 2 Kinder, zu Besuch in Mannheim … und so weiter. 

Diese Begegnung hat demokratischen Ursprung und das möchte ich nicht missen. 

Diesmal war es Mannheim, das nächste Mal ist es Leipzig.
17. bis 19. Juni 2020. Wir freuen uns.

Wort des Monats Juni: flicken

einem am zeuge flicken

Die Redewendung „jemandem am Zeug flicken“ ist wohl noch am ehesten bekannt. Die Handarbeit des Flickens kennt man auch noch, wenngleich sie kaum mehr beherrscht wird. Dann hört es nahezu auf. Doch Flicken tauchte früher in allen möglichen sprichwörtlichen Redewendungen auf. Hier einige dieser Fundstücke aus dem Grimmschen Wörterbuch:

„niemand flickt ein alt kleid mit einem lappen von neuem tuch“ 

„in den stand der geflickten hosen kommen“ (heiraten)

„wer einen narren leret, der flicket scherben zusammen“

„und wenn der arzt schon lange dran flickt, so gehets doch endlich also‚ heute könig, morgen tod‘“

„geflickte lieb oder freundschaft wird nimmer ganz“

„sich flicken“ (sich satt essen)

Reich an Bedeutungen ist flicken ein lebenserfahrenes Wort, das die Vergeblichkeit mancher „Flickschusterei“ auf sein Korn nimmt.

Stichwort: Schulbücher

Vor kurzem habe ich folgendes gehört: Eine Lehrerin wollte im Unterricht mit dem Laptop der Schule den Schülern was zeigen. Es gab ein technisches Problem, wie so oft mit veralteter Technik. Sie konnte das Problem schließlich mit der Hilfe einer ihrer Schüler lösen und schon hat es geklappt. 

In dieser Situation möchte natürlich kein Lehrer sein. Aber die jüngere Generation wächst mit den Medien und der Technik selbstverständlicher auf. Ein typischer Generationenkonflikt. 

So ist es doch besser man findet gemeinsam neue Wege in die Zukunft. Dazu braucht es Hilfe. Das Forum Bildung Digitalisierung unterstützt Schulen dabei, digital zu werden. 2015 haben Deutsche Telekom Stiftung, Bertelsmann Stiftung, Dieter Schwarz Stiftung, Montag Stiftung und Robert Bosch Stiftung die Initiative gestartet. Die Idee: gemeinsam pädagogische Herausforderungen im digitalen Zeitalter bewältigen und unser Bildungssystem mit einer pädagogisch sinnvollen Strategie stärken. 

Ein Beispiel: Das nächste Thema der Klasse steht in einem gedruckten Schulbuch, was aber nicht mehr ganz auf den neuesten Wissensstand ist. Zum Glück ist das aber kein Problem. Mit dem Schulbuch auf dem Smartphone nehmen die Schüler die iPads der Schule und bringen sich auf den neusten Stand.

Zahl des Monats Mai: 9

Die Europawahl 2019 ist die neunte Direktwahl zum Europäischen Parlament. Sie findet vom 23. bis 26. Mai 2019 in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union statt.

Quelle: wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl_2019